Anfang 2. von 300

„Und was war das früher mal?“
„Salzgitter“ lachte der Weihnachtsmann und stieß den Dolch in den Biber hinein.

Salzgitter, dachte ich, verdammt, wenn die Gegenden schon so hießen, was sollte sich dahinter verbergen?

Der Weihnachtsmann zog das Messer mit beiden Händen durch. Knorpel gab krachend nach, während Luft, Gedärm und Blut nach außen drang.

Meine Fresse, wenn man eine Gegend schon Salzgitter nannte.

Wir töteten Biber. Nicht zu unserem Vergnügen. Aber, Biber waren keine Beute. Biber mußten sterben. Immer und überall. Der Weihnachtsmann zog den Dolch runter zu den Hinterfüßen und betrachte sein Werk. Sein roter Trainingsanzug glänzte feucht. Aus seinem Bart perlten die Schweißtropfen und die öligen Haare hingen ihm verschwitzt in der Stirn. Ich mochte keine Trainingsanzüge.

Sie waren aus Plastik. Damit zu warm in diesem feuchten Wald. Und ihre Farben leuchtete meilenweit.

Die Biber hatten alles gewandelt. Der Sumpf kam uns immer näher. Und sie bauten immer noch.

Dieser war jung. Er hatte gerade mal die Größe einer zweispännigen Kutsche. Wir hätten ihn durchaus noch essen können, aber der Gestank, der aus seinem offenen Bauch strömte, liess das nicht mehr zu.

Der Weihnachtsmann griff in die dampfenden Gedärme, riss sie heraus. Er kannte meinen Namen nicht, und sprach mich daher mit der Nummer an. 5745, komm her, greife da rein.

Manchmal nannte er mich Gilb. Gilb, mein Leben ist übel. Gilb, ich wollte das alles nicht. Gilb, das wird schon wieder. Niemand nannte mich zu der Zeit Gilb. Nur er. Und ich hatte Angst, dass dieser Namen hängen blieb. Ich war 15. Und um drei Jahre betrogen mich meine Erinnerungen. Sie fehlten einfach, daher glaubte ich ihnen nichts. Wahrscheinlich war ich 12. Mit 12 hätten sie mich niemals auf die Biberjagd geschickt.

Ich trug Nikes. Ich hatte sie Wolfenbüttel gefunden. Einem Ort, an dem keine Wölfe waren. Nur Biber. Gigantische Biber. Wir verloren einen Hund, aber dafür fand ich die weißen Nikes. Der Weichmacher war raus. Die Sohle war hart wie Rinde. Aber es waren Nikes. Und so weiß wie nichts auf der Welt.

Der Weihnachtsmann nahm ein Beil, und schlug die Rippen heraus. Eine nach der anderen. Es klang dumpf. Und in den Sonnenstrahlen tanzten Tropfen um seinen Kopf. Die Haare quollen aus der offenen Jacke. Er dampfte wie die Hunde, die hinter unter uns ihm Gras lagen.

Er spitzte die Rippen an. Schärfte sie nächtelang. Und brachte sie in die Siedlungen. Rollte sie in der Dorfmitte aus, reichte sie dem Ältesten und bewies mit seinen Biberzähnen, die er in einer Tasche trug, ihre Schärfe. Er nannte die Zähne Elfenbein. Sie nannten ihn Weihnachtsmann wegen seiner Gaben.

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Veröffentlicht von

jtaelling

Wortklauber und -verstreuer. Schimpft sich Autor an den guten Tagen. Dreht das Ding bis es rollt

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