Anfang 5. von 300

5. von 300 für Andrea R Walla: Traum, Macht, Angst, Kind, Liebe

Nichts passte zusammen. Ihre Hand unter die Decke nicht und auch nicht ihr Mund an meinem Ohr. Die Frage schon mal gar nicht.
„Warum bin ich hier?“

Wie sollte ich es sagen? Weil du schön bist, weil du da warst, weil du mitkamst? Weil es einfach war?

Ihr Körper war nur eine Silhouette, um die sich fremde Berge und Täler aus meinen Decken rankten. Der Mond eine wandernde Orange am Firmament. Ich konnte nicht schlafen, und das hatte sie geweckt. Ich hatte lange diesen Mond beobachtet. Und dann kam die Frage, ob ich nicht schlafen könne. Und ich knurrte leise. Eine Katze mag sowas. Menschen nicht.

Sie hatte sich aufgerichtet, mich angesehen und das Licht, das uns verblieb, meinte es gut mit ihr. Ich hoffte auf ebenso viel Gnade.

„Das wird nichts mit uns, oder?“

„Ich weiß nicht..“

„Ich rede nicht von Liebe, du, ich meine: Das war schön.“ Ich konnte ihre Augen nicht sehen, aber ich spürte sie. „Ehrlich!“ Ebenso wie ihren Atem. Der noch ein bißchen erzählte. Vom Wein, und den Chips, dem Wodka, der Olive, dem Kuss, die Dinge, die ihr Mund tat.

Als ich ein Kind war, dachte ich, wenn du groß bist, dann hast du das alles im Griff. Aber wie ich es so spürte, dass ich jetzt nicht reden wollte. Dass ich müde war und nicht schlafen konnte, wußte ich es. Sie hatten mich alle betrogen. Ich war kein bißchen klüger als zuvor. Nichtmal das.

Ich griff unter das Bett, zog ein T-Shirt hoch, warf es ihr zu. „Tut mir leid…“

Und ich spürte etwas wie Angst. Und wußte nicht, war das meine? War das ihre?

Sie hatte recht, es war schön. Hatte ich Lust und Zeit es zu zerstören? Ich hatte die Macht dazu. Sie raffte den Rest zusammen, trat die Weinflasche in die Ecke, schmiss etwas in das Bad, und ich schloss die Augen und hoffte auf einen Traum.

Es war mein vierter Tag in Freiheit. Einer von vielen Versuchen. Und ich hatte es weder im Griff, noch einen Plan was nun als nächstes kommt. Bis hierhin schien alles klar.

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Veröffentlicht von

jtaelling

Wortklauber und -verstreuer. Schimpft sich Autor an den guten Tagen. Dreht das Ding bis es rollt

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