Anfang 19. von 300

Für Candy Michaelis: Wonne, Schlacht, Salz, Apokalypse, Traum.

Es gab einen fernen König. Es gab einen nahen Fürsten. Es gab ein Schloss. Es gab einen Hügel, und darauf eine Burg. Es gab Drachen. Und es war vieles nicht einfach. Es gab einen Wald, und dieser umschloss den Hügel. Bewacht von den Drachen.

So sah es aus. Und man konnte es einfach zeichnen. So wurde es auf einer Karte entworfen, vor der nun ein junge Mann stand, der sie entrollte. Sein Finger folgte dem Weg durch den Wald, über die Wasserfälle, hinauf in die Burg. Er beliess den Finger auf der Burg und blickte zu dem Alten.


„Ist das mein Weg?“

Dieser zuckte die Schultern.

Der junge Mann spuckte etwas in das Stroh. Sah aus dem Zelt, über die Pferde, dorthin, wo sich die Männer sammelten. Wartend, auf seine Entscheidung, hatten sie sich wie ängstliche Büffel zusammen gerottete. Sie dampften und scharrten mit den Hufen. Männer, die er ausgewählt hatte. Es herrschte Unruhe im Lager.

Der Alte war ein zauseliges Männlein. Ein Giftmischer, ein Bote, ein Gelehrter, ein Heiliger und eine elende Made. Öffnete er den Mund, so sprach er mehr vom Tod als vom Leben. Sein Umhang enthielt die Ohren seiner Opfer, und sein Gestank konnte nicht von dieser Welt sein.

Erreichst du sie nicht, Knabe, dann wird die Welt vergehen, der Tag gekommen sein und die Reiter der Apokalypse dich mit ihren Hufen zerschmettern.“

So sprach er immer der Alte. Der junge Mann legte den Kopf schief, zog sein Schwert, deutete mit der Spitze auf die Kehle des Alten und sprach langsam. Und deutlich. Und mit klaren Worten:

Ist das deine Zunge, alter Mann? So hüte sie. Ich bin der Sohn des Königs. Du bist mir schon dreimal im Traum erschienen. Und dreimal habe ich dich erschlagen! Warum sollte ich es nicht tatsächlich tun?“

Sie wird mir gefällig sein..“

Mir nicht? Ich bin …“

..nicht der Prinz.“

Und dennoch bin ich Sohn des Königs!“

Der Alte hob entschuldigend die Hände, trat ein Schritt zurück.

Du hast genug Männer, um eine Schlacht zu schlagen. Doch wieviele benötigst du ein Herz zu erobern? Die Drachen sind schwer zu besiegen, du brauchst den Weg, doch wie leicht wird ihre Burg fallen? Und all das soll genügen um dich zu retten, Königssohn? Deines Vaters Reich?“

Alte Vogelscheuche, was willst du damit mir sagen? Das ist ich nicht Herr der Lage bin? Das ich  euch benötige?“

Der Alte verbeugte sich, entblösste sein Anlitz, dass einem einem verhungerten Vogel glich, und ging in die Kniee.

Ja, Königssohn, auf mein Wort, so wie ich einen Satz eurer Gnade benötige, so braucht es mehr als die Wonne eurer Träume, um zu der Tochter der Drachen vorzudringen.“

Mit dir an meiner Seite werde ich die Pest und die Cholera in mein Volk holen, Gevatter. Du bist der Tod, der über mein Volk kommen will.“

Ich bin der“, schrie der Alte mit aufgesprungenen Lippen, „der deinen Krieg mit den Drachen verhindert, den dein Vater einst anzettelte. Ich bin der, der dich auf deinem Weg zu ihrem Herzen begleitet. Ich bin der, der dir Frieden bringt, du Zweitgeborener eines untergehenden Reiches!“

Wenn mein Reich untergeht, dann wird dein Kopf vor dem Tor unserer Stadt die Drachen abhalten, das schwöre ich dir, du Sklave der Lindwürmer! Und wir werden dich mit Salz bestreuen, bis die Ziegen dir dein Anlitz nehmen.“

Und so standen sie sich gegenüber. Wissenden von ihrer ewigen Feindschaft, und dem Siegel für einen Weg, der nun begann.

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Veröffentlicht von

jtaelling

Wortklauber und -verstreuer. Schimpft sich Autor an den guten Tagen. Dreht das Ding bis es rollt

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