Anfang 24. von 300 (Ohne Widmung)

Es war keine Option gewesen in den Himmel zu kommen. Es gab keinen Grund dafür, denn nichts lief wie es laufen sollte.

Im ersten Jahr nach seiner Geburt wurde Klaus beinahe von seinem Bruder ertränkt. Und das in einer Suppenschüssel. Muss man sich mal vorstellen.

Im zweiten Jahr schlug ihm seine Mama immer wieder auf den Arm um eine Vene zu finden. Fand aber keine. Gottseidank, so ging der Tag rum, ohne das er den ersten Schuss bekam. Er war immerhin erst zwei Jahre alt.

Im dritten Jahr spielte er im Hof, und sein Onkel schlich immer um ihn herum. Seine Mutter hats gemerkt. Die Tage verliefen ungestört. Er wußte auch nicht warum.

Als er vier Jahre alt war rannte er über die Straße ohne auf die Autos zu achten. Und sein Schutzengel leistete Schwerstarbeit. Die Autos quietschten. Der Sommer kochte. Aber es geschah nichts. Für einen Kindergarten war nicht genug Geld im Haus. Seine Mutter verdiente schlicht gar nichts. Sein Vater war im Nirgendwo. Die Tage ergötzten sich an ihrer Eintönigkeit und Gernot zog seinen Schleim lautstark immer ein.

Im fünften Jahr testete ein Doktor seine Intelligenz. Er sprach davon ihn einzuschulen. Früher als seine Altersgenossen, verwarf aber den Gedanken gleich wieder, als er sich Gernot genauer ansah. Er gab es auf. Im Gegeneil, sagte der Doktor zu der Mutter, die schon 30 Jahre älter aussah. Das geht noch eine Weile, sagte er.

Im sechsten Jahr, die Nachbarskinder gingen schon zur Schule, zog Gernot schreiend über den Spielplatz, raubte hier ein sandiges Eis, schlug dort ein Mädchen, das nach Cocos roch und pisste in die Sandelburg seines Freundes. Der daraufhin kein Freund mehr war.

Mit sieben kam Gernot in die Schule, und hatte nun kein Spaß mehr daran. Er schrie im Unterricht, langanhaltend und unartikuliert. Er hieb mit dem Lineal im Zehnminutentakt an die Heizung, erfreute sich am Ton und aß seinen Zwieback genau dazwischen.

Mit acht Jahren wiederholte er die Klasse. Mit neun wiederholte er auch dieses. Mit zehn wurde er vergessen, und mit zwölf begann er zu rauchen, die Kringel zu blasen und den Mädchen unter den Röcken zu schielen. Sorry, im elften Jahr passierte nicht viel.

Mit dreizehn zockte er im Spiel, beschiss wie ein irre, raubte die kleineren Schülerein und begann ganz locker mal mit dem dealen. Keiner wußte wie all das kam, schließlich galt Gernot nicht gerade als clever, aber er war schneller, lauter und saß bald auf dem hinteren Sitz der Limousine, die nachmittags durch unsere Straßen kurvte.

Als er vierzehn war hatte ich eine Scheißangst vor ihm. Sein Messer schien ein verlängerter Arm und er spielt damit vor meinen Augen, dass ich den Tag und mein Leben vergass. Ich machte mir schlicht in die Hose.

Verflixt.

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Veröffentlicht von

jtaelling

Wortklauber und -verstreuer. Schimpft sich Autor an den guten Tagen. Dreht das Ding bis es rollt

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