Anfang 31. von 300 (Ohne Widmung)

Die Frage war, ob es unterhalb des Herdes intelligentes Leben gab. Und ob dieses ihm feindlich gesinnt oder gar friedlich war.
Die Geräusche sprachen für sich, meinte Svenja. Und ihr Haar sirrte wie der hohe Ton, den der Wind machte, wenn er durch die Stromleitungen blies. 

Das Küchenfenster war offen und trug neben all der sommerlichen Wärme auch den Duft von frisch gemähten Heu herein. 

Es war ein kalter Schweiß, der sich zwischen ihnen legte, als sie sich umarmten. Svenja roch nach Ketchup und Erde. Sie kam aus dem Bett und Schlaf haftete ansteckend an ihr. Erst sah er sie, dann sich, dann alle beide, dann spielte die Zeit einen Walzer und ihm wurde leicht schlecht.

„Du hast mich allein gelassen.“

Ich weiß. Dachte er. Und wusste nicht, ob er seine Stimme vernommen hat. Er blickte ihr in die Augen. Er hatte schon Brunnen gesehen, die waren weniger tief.

„Ich weiß.“ Und jetzt wo es Klang hatte, da hörte es sich nicht mehr nach ihm an.Und sie schüttelte den Kopf. Bis das Sirren den Raum füllte.

Komisches Zeug ging ihm durch den Kopf. Und er musste darüber lachen. Es geschah soviel, was gar nicht geschah. Und auch darüber lachte er. Wollte sich gar mehr einkriegen, doch spürte ihre Angst als hielte er ihr Herz in seiner Hand. Es verunsicherte ihn ihr so nahe zu sein.

„Das war verdammt schlechtes Zeug“ waren ihre Worte, dann stand sie auf, mit den Geruch der frischen Erde.

„Ja. War es.“ Schickte er ihr hinterher, doch da war sie schon weg.

Und er sass immer noch auf dem Küchenboden, das Messer in der Hand und merkte, das er sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte. Seit ihrem Tod. 

Das war schon verdammt übles Zeug, das sie ihm verkauft hatten. Im Sitzen öffnete er den Kühlschrank, sog die Kühle ein, spürte wie seine Tränen kälter wurden und versuchte alles mit dem Orangensaft zu ertränken.

Die Sonne zeichnete einen wunderschönen Schatten auf den Küchenboden. Er trug die Haare nun so lang wie sie. Und nun spürte er endlich, das er weinte.

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Veröffentlicht von

jtaelling

Wortklauber und -verstreuer. Schimpft sich Autor an den guten Tagen. Dreht das Ding bis es rollt

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