Anfang 45. von 300

Ich hatte nicht viel Geld dabei, und war auf der Suche nach dem günstigsten Sex, den diese Stadt bieten konnte. Deswegen sah ich in die Schaufenster, begutachtete die jungen Mädchen und fragte sie nach ihren Preisen. Das Rot der Beleuchtung vertuschte natürlich ihr Alter, und der Rausch, der in meinem Kopf hin und her schwappte, tat sein übriges. Es war leicht meine Urteilskraft in Frage zu stellen. Und ganz zum Schluss war es natürlich nur noch eine Frage des Preises. Daher hatte die Auswahl wenig mit meinem persönlichen ästhetischen Empfinden zu tun.

Zar-Zar war bestimmt nicht ihr Name. Aber sie war eine schweigsame Frau im geschlechtsreifen Alter, und ich wollte nicht viel reden. Nur weil sie darauf bestand, wusch ich mich. Aber ich glaube kaum, dass ich irgendwelche Krankheiten in mir tragen konnte, die die Schranken zwischen ihrer und meiner Rasse überwinden hätte können. Ich liess mein Gewand zu Boden fallen, stand nackt vor ihr und drehte mich zum Waschbecken um. Vorsichtig wusch ich meinen Genitalien, die ihre Bereitschaft auf das Folgende noch nicht zeigten. Ich beugte mich vor, um mich überall kräftig einzuseifen, und war sehr angetan davon, dass Zar-Zar sich bereit erklärte mir zu helfen. Tatsächlich war das schon das Vorspiel, denn sie achtete auch auf die Reinlichkeit der Stellen, in denen ich ein Eindringen nicht gewohnt war.

Ihre gespaltene Zunge flitzte mir über die unrasierten Wangen, leckten an meinem Salz. Mir fiel wieder ein, was ich über ihre Art wußte. Die Begeisterung für die rauschhafte Wirkung des Salzes erweckte in mir leichten Ekel, den ihre lange Zunge wickelte sich dreimal um meinen Hals. Sie riss meinen Kopf bedrohlich zurück, glitt unter meine Arme, leckte auch dort. Ich war schon drauf und dran den Preis neu  zu verhandeln. Schließlich labte sie sich an mir. Aber was dann kam, das war jede Öre wert, denn mein Hirn schnappte über und ich brabbelte wirres Zeug, bis es zu dem kam, weswegen ich hier war.  Ich explodierte im wahrsten Sinne des Wortes und brüllte den Namen meines Hergottes.  Voll der tierischen Inbrunst, die sie in mir geweckt hatte. War ich animalisch!

Ich hatte das Laken durchgeschwitzt, als ich wieder zu mir kam, und der Ventilator klapperte in einem hektischen Takt über uns. Es war mir bekannt, dass die Nächte keine Kühlung brachten, aber nass wie ich war wollte ich nicht mehr aufstehen. Sie dagegen saß bereits an einem Display. Die Rückenrüssel hatte sie schamhaft unter einem Tuch verborgen, und mit dem herabfallenden Haar, gelangte sie genau in die zärtliche Phase, die ich im Zustand der Erschöpfung immer danach empfand.

Ich fühlte mich klebrig, aber ausgelaugt und durch die Hitze zur Rückenlage gezwungen. Mein Körper lag schutzlos auf der Bettdecke, aber ich hätte es nicht gewagt, ihn zuzudecken. Ich wäre an der Wärme gestorben. Brennende Monde nannten die hiesigen Einwohner das Phänomen. Mein Shuttle hatte sich in einem gehörigen Abstand zu diesen Gebilden bewegt. Ich konnte nicht erkennen,  ob sie wirklich brannten.

Es war ratsam, unter dem Gewand der Hohenpriester nichts weiteres zu tragen .Jeder Schritt hätte sonst zu einem qualvollen Reiben der Textilien am  Körper geführt. Nun glich ich einem  nackten, demütigen Pilger.

Da meine Kirche hier nicht bekannt war, nahm ich  mit jener Währung vorlieb, die sich in kläglicher Zahl noch in meiner Tasche befand. Zar-Zar schien die Öre des dänischen Friedens zu schätzten, und so kamen wir ins Geschäft. Meine Priesterkleidung sagte ihr nichts, daher wog sie sich in Sicherheit.

Die genetische PräDisposition war die Lehre, die mich zum Werkzeug unseres zukünftigen Erlösers machte. Ich war einer der Missionare, die sich im Auftrag des einzigen Gottes auf dem Weg in die Randgebiete der bekannten Galaxie machten. Mein Gewand war ärmlich, denn die Buße, an der ich schwer trug, verbat mir eine ganze Reihe Annehmlichkeit. So auch die Möglichkeit persönliche Beziehungen einzugehen, die über das Produktive hinausgingen.

An der Zeugung unseres zukünftigen Erlösers beteiligt zu sein, würde meinem Leben den Sinn geben, auf dessen Suche ich mich vor vielen Jahren begab.

„Das was du denkst, ist nicht möglich!“

Ich stützte mich auf meine Ellenbogen „Pardon?“

„So heilig ist dein Sperma nicht, als das es die biologischen Grenzen überwindet. Tut mir leid. Und da kannst du tausendmal seinen Namen beim Orgasmus jubilieren.“

Sie hatte sich zu mir umgedreht, und nun sah ich ihr T-Shirt, auf dem die Symbolik der genetischen PräDisposition wie auf einem Schild durchgestrichen war. Sie war eine Verweigerin. Entweder ich hatte das nicht bemerkt, oder sie hatte es sich erst jetzt angezogen. Vielleicht schwieg sie deshalb.

Sie näherte sich mir, ohne dass ich ihr Gesicht erkennen konnte. Nur ihre Augen hatten diese Glühwürmchenpunkte, die typisch für ihresgleichen waren. Die Glühwürmchenpunkten hatten eine Bedeutung, je nachdem in welcher Farbe sie strahlten. Das grünliche Schimmern bedeutete Ärger? Liebe? Sex? Ich konnte mir das nicht merken.

Zar-Zar setzte sich an den Bettrand ohne mich zu berühren. Aber ihr Blick war unablässig auf mich fixiert.

„Das könnte in einer religiöse Diskussion ausarten? Willst du das?“

„Mit dir?“ Keine Ahnung warum, aber der Gedanke erregte mich sichtbar.

„Mit mir. Oder traust du mir das nicht zu?“

Ich schwieg und sah an mir runter.

„Ich frage mich, warum ihr es nicht zuerst mit euren dämlichen Kühen und Schafen auf der Erde getestet habt. Das hätte euch schon einiges erklären können, von dem was ihr nun einfach so verschleiert. “

„Haben wir, ich meine, wir wußten es. Es gibt Dinge, die sind unmöglich, aber wer sagt, dass unsere biologischen und physikalischen Regel im All gelten? Es ist vollkommen unmöglich, dass Engel mit Menschen Kinder zeugen. Trotzdem erzählen genau das unsere Bücher, also was willst du mir sagen? Das das göttliche Puzzle keine Varianten zu lässt?“

Zar-Zar bemerkte alles und nahm es in die Hand.

„Du willst Nachwuchs mit mir zeugen? “

„Wollen? Ist es nicht wichtig dem Leben und unserem Erlöser seine Chance zu geben? Er soll außergewöhnliche Fähigkeiten haben. Wie, wenn nicht so, sollte das zustande kommen? “

Undsoweiter undsoweiter. Ich verlor den Faden, als sie ihre Rüssel wieder offenbarte und sie einsetzte. Meine Augen kippten ohne den restlichen Körper nach hinten. Das war ziemlich übel. Und schön. Schwarz und Tanzen waren auch noch zwei Dinge, die mir einfielen. Ich konnte sie aber in keine Verbindung bringen. Ich konnte mir überhaupt nichts mehr zusammenreimen. Verflixt.

Advertisements

Veröffentlicht von

jtaelling

Wortklauber und -verstreuer. Schimpft sich Autor an den guten Tagen. Dreht das Ding bis es rollt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s